
Marinel Berido Banez’ Geschichte bei Lexis Sydney
«Ja, mein Leben war nicht einfach. Aber ich mach einfach weiter. Was ich daraus gelernt hab: Hass hat keinen Platz.»
Im heutigen «Student Spotlight» geht es um die erstaunliche Geschichte von Marinel Berido Banez, einer Lexis-English-Absolventin aus den Philippinen.
Marinel hat am 6. Januar 2023 ihren General-English-Kurs bei Lexis Sydney abgeschlossen und wurde seither für den TAFE-Studiengang «Kinderbetreuung» zugelassen. Lies hier, was Marinel uns über ihr aussergewöhnliches Leben erzählt hat.
Über mich
Ich heisse Marinel Berido Banez und komme von den Philippinen. Ich bin 43 Jahre alt und Witwe. Ich habe vier eigene Kinder und habe mich um die drei Kinder meines verstorbenen Bruders gekümmert. Seit kurzem bin ich Grossmutter.
Meine Reise begann, als mein Mann plötzlich an einem Herzinfarkt starb und mein Bruder sechs Monate später brutal ermordet wurde.
Tragödie und Trauma
Die Landwirtschaft ist eine der wichtigsten Einnahmequellen auf den Philippinen. Bevor mein Mann starb, hatte er alles für unsere neuen Anbaukulturen vorbereitet – Tabak, Reis und Gemüse sind die Hauptanbauprodukte in meinem Dorf. Am Samstag, dem 31. Oktober 2009, in der Halloween-Nacht (diesen Moment werde ich nie vergessen) – starb mein Mann.
Meine Kinder und wir schliefen schon. Plötzlich weckte mich mein Mann und sagte mir, er könne nicht atmen. Ich half ihm, aus unserem Bett aufzustehen, und brachte ihm ein Glas Wasser. Ich war total verzweifelt und wusste nicht, was ich tun sollte, also rief ich meine Schwiegermutter um Hilfe an, und wir brachten ihn ins Spital. Er lebte noch, als wir in der Notfallstation ankamen, aber der Arzt konnte ihn nicht mehr retten. In diesem Moment brach meine Welt zusammen.
Zum Glück war mein Bruder da. Er hat in meiner schwersten Zeit alles für mich getan und mir beigebracht, wie man Tabak anbaut. Ich hab mir auch ein paar Helfer engagiert. Sechs Monate später hab ich meinen Tabak verkauft.
Ich hatte gehofft, das Geld, das ich verdient hatte, für meine Kinder ausgeben zu können, aber daraus wurde nichts.
Am 4. April 2010 wurde mein Bruder ermordet. Ich weiss noch, wie ich den Anruf mit der Nachricht bekam und meinen Bruder sah – tot und in seinem eigenen Blut liegend. Bis heute ist der Fall ungeklärt.
Das ganze Geld, das ich mit meiner Tabakernte verdient hatte, habe ich für die Beerdigung meines Bruders ausgegeben. Seine Frau konnte nicht helfen, und ein paar Monate nach dem Tod meines Bruders hat sie geheiratet und ihre Kinder zurückgelassen – da habe ich beschlossen, die Verantwortung für sie zu übernehmen. Ich konnte sie nicht im Stich lassen.

Ich hab mir geschworen, dass wir, egal was passiert, als Familie zusammenbleiben müssen.
Am Anfang war es sehr schwer für uns, vor allem für meine Kinder, denn alles, was sie hatten, musste geteilt werden. Ich hab meinen Kindern beigebracht, ihre Cousins und Cousinen wie ihre Geschwister zu behandeln, und meine Kinder verstehen das.
Arbeiten in Singapur
Die Philippinen sind ein armes Land. Sieben Kinder in einem armen Land grosszuziehen, war nicht gerade einfach. Deshalb habe ich mich ein Jahr nach dem Tod meines Mannes entschlossen, im Ausland als Nanny/Haushaltshilfe zu arbeiten.
Ich bin nach Singapur geflogen, um Arbeit zu finden. Am Anfang war es eine Herausforderung. Ich habe Arbeitgeber mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften kennengelernt, da ich keine andere Wahl hatte, als die mir auferlegte Arbeitslast zu ertragen.
In all den Jahren, in denen ich gearbeitet habe, ist es mir gelungen, meine Kinder, meine Mutter und die Kinder meiner Brüder zu versorgen. Ich habe ein gemütliches Haus für sie gebaut, einen Bauernhof gekauft, auf dem sie ihr Essen anbauen können, und es geschafft, meine Kinder zur Schule zu schicken. Ich habe versucht, so viel Geld wie möglich zu sparen, um meine älteste Tochter an die Uni zu schicken.
Das Leben war nicht einfach für mich, bis ich eines Tages von einem rücksichtslosen Arbeitgeber nach Hause geschickt wurde. Ich dachte, das wäre das Ende für mich und für die Zukunft meiner Kinder. Ich war am Boden zerstört, aber ich hab nie aufgegeben. Ich hab weiter gesucht und jeden Freund, den ich in Singapur kannte, gefragt, ob er jemanden kenne, der eine Nanny suche.
Eines Tages hat mich ein Freund von mir kontaktiert und mir einen Job angeboten. Ich war so glücklich und habe den Job ohne zu zögern angenommen – ohne Fragen zu stellen. Ich bin nach Singapur geflogen und habe angefangen, für die Familie Yates zu arbeiten – Elena, Neil und ihre beiden Kinder Julian und Jamie.
Die Jahre vergingen, und unsere Beziehung wurde immer besser. Die Kinder schlossen mich sehr ins Herz. Julian, der Erstgeborene, konnte seine Augen nicht von mir lassen, genauso wie Jamie, das zweite Kind. Ich habe mich in die Kinder verliebt und sie viel besser behandelt als meine eigenen.

2019 – noch mehr Veränderungen
Als die COVID-Pandemie begann, die Welt zu erschüttern und die Leute in den Wahnsinn zu treiben, beschlossen Elena und Neil, nach Australien zu ziehen. Mir brach das Herz. Ich weinte und konnte mir nicht vorstellen, zum zweiten Mal von den Kindern getrennt zu sein, die ich so ins Herz geschlossen hatte.
Eines Tages boten Elena und Neil mir an, mich mit nach Australien zu nehmen. Sie wurden meine Einwanderungsgaranten. Ich war damals total verwirrt. Ich stellte so viele Fragen, zum Beispiel zum Wetter in Australien, zum Lebensstil und so weiter.
Im März 2022 sind wir nach Australien geflogen
2022 wollten Elena und Neil nach einem perfekten Ort zum Leben suchen und mir die Gegend zeigen. Australien ist atemberaubend, ich hätte nie gedacht, was ich dort gesehen habe. Genau in diesem Moment habe ich mich in Australien verliebt und seitdem freu ich mich riesig darauf, dorthin zu ziehen.
Nachdem wir nach Singapur zurückgekehrt waren, fingen die Yates an, Informationen darüber zu sammeln, wie sie mich nach Australien holen könnten. Das war gar nicht so einfach. Sie haben viel Zeit damit verbracht, alle möglichen Wege zu erkunden, um mich dorthin zu bringen. Manchmal hab ich den Mut verloren, weil es ein paar Monate gedauert hat, bis mein Visum bewilligt wurde.
Ich war total verblüfft, als wir an jenem Tag eine E-Mail erhielten, in der stand, dass mein Visumantrag bewilligt worden war. Ich konnte es kaum glauben, dass mein Antrag schon zum zweiten Mal bewilligt wurde!
20. August 2022 – wir kehren nach Australien zurück
Mein erster Tag war nicht gerade toll. Es war Winter, und ich hatte keine Ahnung, was der Winter so mit sich bringt! Ich zitterte vor Kälte, obwohl ich meine dickste Winterkleidung anhatte.
Im ersten Monat fühlte ich mich isoliert, also musste ich mir überlegen, was ich sonst noch tun könnte, um mein Heimweh zu lindern. Ich fing an, nach philippinischen Gemeinschaften in Sydney zu suchen, aber ich traute mich nicht so recht, Leute anzusprechen, die ich nicht kannte. Also habe ich stattdessen nach einer Kirche gesucht. Ich wusste: Wo eine katholische Kirche ist, da sind auch Filipinos! Ich wurde nie enttäuscht, wenn ich in die Kirche ging. Ich habe ein paar Filipinos kennengelernt und mich gleich viel glücklicher gefühlt.
Eine Gelegenheit, in Australien Englisch zu lernen

Die Tage vergingen wie im Flug, mein Touristenvisum würde bald ablaufen. Elena und Neil sprachen mich erneut an und boten mir an, in Australien Englisch zu lernen. Ohne zu zögern sagte ich zu, und unsere Suche nach einer Schule begann! Neil half mir dabei, alle erforderlichen Unterlagen einzureichen. Wir beantragten gleichzeitig ein Überbrückungsvisum, und einen Tag, bevor ich zurück nach Singapur fliegen musste, wurden sowohl mein Visum als auch meine Schulanmeldung bewilligt.
An meinem ersten Tag an der Uni war ich nervös und schüchtern. Ich war der einzige Filipino, und alle meine Kommilitonen waren junge Berufstätige. Sie hatten in ihren Heimatländern bereits einen Abschluss gemacht. Also hab ich mich stattdessen aufs Studium konzentriert – und ohne es zu merken, hab ich dabei auch noch Freunde gefunden!
Ich hatte zwei verschiedene Schulen angenommen, und eine davon war Lexis English. Ich hatte mich für Lexis English entschieden, weil es in der Nähe meines Wohnorts liegt und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut zu erreichen ist.
Ein besonderer Dank
Ein ganz besonderer Dank geht an meine Sponsoren Elena und Neil, die mir so viel gegeben haben. Ausserdem an meine Lehrer und die gesamte Lexis-Schule in Sydney – das Verwaltungsteam, meine Freunde und alle, die ich dort kenne. Ihr alle wart so hilfsbereit zu mir.
Ich wurde dazu inspiriert, meine Träume zu verfolgen und weiter daran zu arbeiten. In Australien zu studieren, hätte ich mir nicht mal im Traum vorstellen können, aber hier bin ich nun! Ich konnte es selbst kaum glauben, dass es wirklich passiert ist. Danke, Lexis, dass ihr mir geholfen habt, mehr Wissen und Weisheit zu erlangen, die ich nutzen kann, um meine Träume zu verwirklichen. Ich hoffe, dass ich eines Tages zurückkomme und noch mehr lerne.
GOTT SEGNE UNS ALLE!! Marinel B. Banez
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